Eine Wahlkampfgeschichte aus Schriesheim

Ein­er der Schriesheimer Lat­er­nen­mas­ten ist in Kopfhöhe mit einem großen dop­pel­seit­i­gen Plakat der Grü­nen geschmückt.

Darüber war genug Platz für die Curio-Ein­ladung zum 10.5., geset­zt mit der kleinen 3m-Leit­er. Der Curio-Sand­wich über­lebte drei Tage und zwei Nächte.

Nun ist er herun­terg­eris­sen, zer­fet­zt und verdeckt auch noch die GrünIn­nen Schriesheims.

Dem muss abge­holfen wer­den, allein der Fair­ness wegen! Also erlöse ich zuerst die geschun­de­nen Curios aus den Fes­seln der ver­wun­de­nen Kabel­binder, fix­iere die Puz­zle-Teile per neuer Binder und trage das zusam­men mit der dies­mal lan­gen Leit­er zum Mast.

Auf fünf Meter Höhe ste­hend, bin ich beim Anbinden des restau­ri­erten Meis­ters, als von unten eine Frauen­stimme ruft „darf ich ihre Leit­er fes­thal­ten?“ Ui, darf man das ablehnen? Nein, ein Smalltalk entwick­elt sich, sie reicht mir Binder nach und nach zwei Minuten leuchtet das vol­len­dete Werk in der Abend­sonne des 1. Mai. Erfreut über die Hil­fe steige ich nach unten und über­lege dabei — gar eine Sym­pa­thisan­tin der AfD? Ich bedanke mich. Sie hat einen Pack­en Fly­er in der Hand — es sind grüne. Oh, Sie sind von der anderen Partei, das ist aber nett! Ja, sagt sie lächel­nd und ich läch­le zurück. Wie soll das ver­stock­te Herz einen alten weißen Mannes dabei nicht weich wer­den! So muss sich wohl die gemein­same Kriegswei­h­nachts­feier 1914 auch ange­fühlt haben.

Schriesheim, ich liebe Dich!

Und wenn diese Sto­ry nicht wahr wäre, so wäre sie doch gut erfun­den, sagte einst ein kluger Mann.

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